Gemeinsam die Zukunft aushecken!

Internationaler Heckenkongress 2025 in Hamburg

Unser Rückblick: Hecken für eine klimaresiliente Landwirtschaft

Wie können Hecken Landwirtschaft, Klima und Artenvielfalt verbinden?
Mit dieser Frage haben wir uns Mitte Oktober beim Internationalen Heckenkongress 2025 in Hamburg beschäftigt. Rund 1000 Teilnehmende – mehr als 150 vor Ort auf Gut Karlshöhe, viele weitere im Livestream – aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Politik und Naturschutz diskutierten mit uns über Strategien, Praxisbeispiele und politische Handlungsmöglichkeiten.

Hecken – mehr als nur Landschaft

Boden, Wasser, Mikroklima

Hecken schützen Böden vor Erosion, speichern Wasser, verbessern das Mikroklima und bieten Lebensraum für zahlreiche Arten. Trotz ihrer enormen Bedeutung sind sie in vielen Regionen verschwunden. Unser Kongress zeigte Wege auf, wie Hecken wieder Teil landwirtschaftlicher Wertschöpfung werden können – durch gezielte Förderung, rechtliche Anpassungen und neue Nutzungskonzepte.

Praxisbeispiele und innovative Nutzung

Futterlaub bis Marmelade

Landwirt:innen brauchen stabile Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Anreize. Beispiele aus Frankreich, wo ein nationales Heckensiegel nachhaltige Bewirtschaftung honoriert, zeigten, wie solche Modelle auch hier funktionieren könnten. Gleichzeitig präsentierten Initiativen kreative Ansätze – von Marmeladen über Futterlaub bis hin zu CO₂-Zertifikaten. Besonders eindrücklich war das Beispiel aus der Region Gießen, wo ein ganzes Nahwärmenetz vollständig mit Heckenschnitt betrieben wird – ein Modell, das viele Teilnehmende begeisterte.

Europäische Perspektive

Tausend Teilnehmende verfolgten die Diskussion

In der Podiumsdiskussion „Gemeinsam Europa aushecken“, veranstaltet in Kooperation mit Europe Calling e. V., diskutierten Vertreter:innen aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland über die Zukunft der europäischen Heckenpolitik. Maria Noichl, Abgeordnete des Europäischen Parlaments, warnte: Im Namen der Entbürokratisierung drohe ein stärkerer Föderalismus, der die in den letzten Jahren erkämpften europäischen Umweltstandards und die finanzielle Förderung für klimaresiliente Landwirtschaft gefährden könnte.

Praktisches Engagement vor Ort

Heckenpflanzung mit Heckenretter e.V.

Zum Auftakt pflanzte der Heckenretter e. V. gemeinsam mit Helfer:innen auf dem Kattendorfer Hof einen 160 Meter langen „Knick der Vielfalt“ mit 16 heimischen Arten. Eine Exkursion zum Gut Wulfsdorf zeigte, wie durch die Pflege alter Knicks Artenvielfalt, CO₂-Bindung und Umweltbildung zusammenkommen kann.

Rückmeldung und Begeisterung

Ute Leukel-Fischer, Initiative Nachhaltiges Hünstetten e.V.

„Ich möchte mich ganz herzlich bedanken für diesen tollen Kongress. Er war nicht nur inhaltlich bereichernd, sondern man merkte vom ersten Moment an, mit wie viel Herzblut Sie alle bei der Sache waren. Mir tut es von Herzen gut, wenn ich so viele junge Menschen sehe, die sich für unsere Umwelt und Natur stark machen. Das gibt Hoffnung.“

Dankeschön!

Ein starkes Netzwerk für unsere Kulturlandschaft

Wir bedanken uns herzlich bei allen, die uns bei der Durchführung des Kongresses unterstützt haben. Ein besonderer Dank gilt der Marius-Böger-Stiftung, die mit der Leihgabe der Ausstellung “Knicks – grüne Adern der Kulturlandschaft” die Schönheit der Heckenlandschaften eindrucksvoll veranschaulicht hat. Ebenso danken wir Good Food Good Farming sowie der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) Hamburg für ihre finanzielle Unterstützung.

So geht es weiter

YouTube: Livestream und Führung auf dem Markt der Möglichkeiten

Hecken sind Schlüsselstrukturen einer klimaangepassten Landwirtschaft. Mit der BaumLand-Kampagne werden wir uns weiterhin auf politischer Landes- und Bundesebene für die Stärkung landschaftlicher Gehölzsysteme einsetzen – damit Hecken, Baumreihen und Feldgehölze wieder ihren Platz in einer vielfältigen, klimaresilienten Agrarlandschaft finden.

 

Die Vorträge des Kongresses sind auf unserem YouTube-Kanal verfügbar! Sie können sich die Podiumsdiskussion von Europe Calling ebenfalls als Podcast anhören.

Wer wandernd seine Straße zieht,
An den Hecken nur die Dornen sieht,
Der ist ein trüber Geselle.
Wer winters an den Lenz schon denkt,
Der den Hecken lauter Rosen schenkt,
Geht mutig froh und schnelle
Und greift, wenn‘s Zeit ist, sacht hinein
In all den rosenroten Schein,
Sieht sich die Augen helle.

Marie Feesche (1871-1950)

Hintergrund

  • Aufbau einer vielschichtigen und gut vernetzten internationalen Heckenbewegung
  • Wissensweitergabe zu fachlichen und praktischen Aspekten
  • Austausch zu umstrittenen Themen, wie der Landschaftsgestaltung unter Berücksichtigung von Offenlandarten
  • Sensibilisierung von Politik, Öffentlichkeit und Verwaltung für die Vorteile von Heckenpflanzungen und deren Förderbedarf

Der Kongress richtete sich an Akteur:innen aus den Bereichen Landwirtschaft und Naturschutz. Politiker:innen aus den Europa-, Bundes- und Landesministerien sowie Behörden und Ämter. Verbände und Initiativen, die sich mit Hecken, Landschaftselementen und deren ökologischen und landespflegerischen Wirkungen befassen. Und natürlich an alle Interessierten.

Mehr als hundert Jahre sind vergangen, seit die damaligen Landschaftsformen einem neuen Erscheinungsbild gewichen sind. Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft und resultierende Flurneuordnungsverfahren nahmen die Ackerschläge immer größere Ausmaße an. Hecken wurden zunehmend als Störfaktor empfunden.

 

Leider ist die heutige Problematik nicht nur ästhetischer Natur. Noch nie warnte die Wissenschaft so deutlich vor den Gefahren des Klimawandels mit all seinen Begleiterscheinungen und dem Verlust der Biodiversität. Hitzestress, Trockenheit, Artensterben – die Extreme nehmen zu und bedrohen die Ernährungssouveränität. Doch technokratische Antworten auf die Probleme unserer Zeit münden in einer Sackgasse. Der flächendeckende Ausbau von Bewässerungssystemen, die Erhöhung der Düngegaben und der verstärkte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind keine nachhaltigen Lösungen. Sie führen in eine Spirale, aus der es immer schwieriger wird, auszubrechen.

 

Wir brauchen Antworten, die unsere Agrarsysteme resilient, krisenfest und zukunftsfähig machen.

Der ästhetische Wert, den Maria Feesche in ihrem Gedicht Anfang des letzten Jahrhunderts den Hecken zuschrieb, war mit einem Nutzen verbunden. Sie bildeten Grundstücksgrenzen, zäunten Vieh ein und lieferten Brennholz. Mit der Zeit wuchs das Wissen. Hecken haben ein enormes Potential, das unsere Gesellschaft nutzen kann. Sie mindern die Erosionsgefahr durch starke Regenfälle und Sturm. Sie halten Wasser in der Landschaft und mindern Hitzestress, was die Produktivität landwirtschaftlicher Systeme erhöhen kann. Sie bieten Lebensraum für Flora und Fauna und stellen Korridore dar, die aufgrund der klimabedingten Artenverschiebungen dringend benötigt werden. Sie sind Kohlenstoffsenken und tragen zur Erreichung des Ziels negativer Emissionen bei.

 

Kurzum: Wir sehen in der Anlage von Hecken eine zentrale Antwort auf die Biodiversitäts- und Klimakrise. Und nicht zuletzt bieten sie eine Steigerung der Landschaftsästhetik, wie sie die Dichterinnen und Dichter vor unserer Zeit beschrieben haben.

Die landwirtschaftliche und landschaftliche Transformation braucht entsprechende politische Rahmenbedingungen. Darüber hinaus ist ein gesellschaftliches Umdenken erforderlich. Hecken dürfen nicht länger als Konkurrenz zur Maximierung der landwirtschaftlichen Produktivität gesehen werden, sondern als Teil einer Strategie zur Krisenbewältigung. Hecken sind kein Störfaktor, sondern ein Ermöglicher der Landwirtschaft. Dazu brauchen wir kluge Pflege- und Nutzungskonzepte, die sich in die betriebliche Produktion integrieren lassen. Nicht zuletzt benötigen wir einen Raum für Dialog, um Menschen in Kontakt zu bringen und Landnutzungskonflikte besprechen zu können. Deshalb wollen wir auf dem Heckenkongress an zwei Tagen gemeinsam ins Gespräch kommen, Ideen vorstellen und Strategien erarbeiten.

 

BITTE HELFEN SIE MIT UND UNTERZEICHNEN SIE UNSERE AKTUELLE PETITION BEI CAMPACT.