Unser Vorschlag: Eine essenzielle Grundlage zur Bestandssicherung und ggf. gezielten Erweiterung des vorhandenen Heckennetzes ist ein bundesweit einheitliches und möglichst niederschwellig einsehbares Kataster, an dem Behörden aus unterschiedlichen Bereichen koordiniert mitwirken.
Es gibt viele Gründe für die Erstellung und Nutzung von Hecken-Kataster:
- Analyse von Heckendichten in bestimmten Gebieten und Potentialanalysen für deren Neuanlage
- Erstellung regionaler Konzepte zum effizienten Schnitt von Hecken, idealerweise auch der Verwertung des daraus gewonnenen Materials
- Berechnung der in der Landschaft gebundenen Kohlenstoff- bzw. CO2-Mengen für eine Bilanzierung von Klimaschutzleistungen der Landwirtschaft
- Dateneinspeisung für digitale Tools zur Berechnung von Schattenwurf und Wasserhaushalt,
- ggf. zur Überprüfung von Verdachtsfällen widerrechtlich entfernter Hecken
Tatsächlich gibt es bereits in den Ländern erfasste Datensätze über bestehende Hecken: Die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland, kurz AdV, hat Richtlinien erlassen, welche Objekte für bestimmte offizielle Kartendaten in allen Bundesländern erfasst werden müssen.1 Darunter gibt es auch die Objektart „AX Vegetationsmerkmal“, unter der verschiedene Bewuchsformen von Vegetation erfasst werden, darunter die „Wertearten“ Nadelbaum, Laubbaum, Streuobst, Baumreihe, … und „Hecke“, „Heckenkante, rechts“, „Heckenkante, links“ und „Heckenmitte“. Hecke wird hier definiert als bestehend „aus einer Reihe dicht beieinander stehender, meist wildwachsender Sträucher“, laut Auskunft per E-Mail von der AdV ist aber auch eine Länge von mindestens 200 m erforderlich für ihre Erfassung sowie die nicht näher spezifizierte Charakterisierung als „landschaftprägend“.2 Die Daten werden überprüft3, dabei kommt es gelegentlich zum Verschwinden und Wiederauftauchen einzelner Hecken, sodass die GIS-Daten für konkrete Projekte vor Ort sicherheitshalber überprüft werden sollten. Für erste Übersichten oder großflächigere Berechnungen bilden sie aber eine gute Grundlage.
Sinnvoll wäre es eine systematische Erfassung bestehender Heckenstrukturen im Sinne der GAPKondV. Idealerweise sollte neben dem Standort und den Ausmaßen der einzelnen Hecke auch Eckdaten zum Pflegezustand, zur Pflanzenzusammensetzung sowie zur Kulturform4 der Hecke hinterlegt werden.5 Diese Datensammlung kann perspektivisch auch für Rechtssicherheit sorgen, wenn etwa in 30 Jahren unklar ist, ob es sich bei einem bestimmten Gehölzstreifen um einen entfernbaren modernen Agroforststreifen handelt oder um eine nicht zur Beseitigung freigegebene Hecke.
Die zuvor beschriebenen Daten gibt es also bereits für alle Bundesländer, sie können von Behörden und Institutionen mit entsprechender Lizenz im Gesamtpaket von ATKIS-Grunddatensätzen angefordert und dann daraus extrahiert werden. Für die allgemeine Öffentlichkeit sind sie bislang nicht einsehbar. Für die Geoportale der einzelnen Bundesländer werden die Datensätze zu verschiedenen Kategorien zusammengefasst, die von Behörden vor Ort für interessant erachtet werden: so können dann z. B. nach dem Landesnaturschutzrecht als geschütztes Biotop oder als geschütztes Landschaftselement erklärte Elemente angezeigt werden, ohne dass dabei aber zwischen z. B. Streuobstwiesen, Hecken und Baumreihen unterschieden werden könnte. Das liegt daran, dass die Zielgruppe bislang z.B. Landschaftsplaner:innen sind, die z. B. um geschützte Bereiche herum planen müssen und weniger Anwender:innen, die sich für spezifische Strukturen interessieren. Technisch ließe sich das unkompliziert dahingehend ändern, dass speziell Hecken, Baumreihen oder Streuobstbestände aufgezeigt werden könnten. Dazu bedarf es lediglich einer entsprechenden Anweisung aus den zuständigen Behörden. Wir sind überzeugt, dass ein Umdenken hier sinnvoll ist: So wird eine vielfältigere Nutzung der Geoportale auch durch die allgemeine Öffentlichkeit möglich, etwa durch Landwirt:innen, für die Planung von spezifischen Spazier- und Wanderwegen (sei es privat oder durch Vereine) oder einfach aus Interesse.
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1: Das ist einsehbar auf https://www.gid-katalog-app.org/. Dort muss als Anwendungsschema „AFIS-ALKIS-ATKIS 7.1.2 (AAA 7.1.2)“ gewählt werden, keine Einschränkung, beim Ausgabeformat HTML kann es anschließend online angeschaut werden. Dann auf „Katalog ableiten“ klicken, nach kurzer Zeit (kein Download-Fortschritt wird angezeigt, es läuft im Hintergrund) wird der erfolgreiche Download einer Datei angezeigt. Öffnet man diese, sieht man eine lange Liste, zu den Hecken gelangt man unter „5400 Objektartengruppe: Besondere Vegetationsmerkmale“, darunter steht der anklickbare Punkt „54001 AX Vegetationsmerkmal“.
2: Das liegt am historischen Hintergrund, dass diese Daten ursprünglich für militärische, nicht etwa landwirtschaftliche Zwecke erhoben und konzipiert wurden.
3: Zweimal jährlich wird der aktuelle Stand an die Bundesebene geschickt und veröffentlicht.
4: z. B. einfach nebeneinander stehende Sträucher, Stufenhecke (historisch, heute aber wild wachsend / aktuell als Stufenhecke gepflegt), Nieheimer Flechthecke, gelegte Hecke nach Stil XY, …)
5: Dem Wunsch nach einem Heckenkataster wurde besonders von Akteuren in NRW Nachdruck verliehen, die festgestellt haben, dass es sich diese Aufgabe auf kommunale Ebene oder gar auf ehrenamtlicher Basis aber nicht stemmen und nachhaltig sichern lässt.